Rennofen, Schmiede und Mitmachangebote: Beim letzten Archäologie-Themenwochenende des Jahres wurde eisenzeitliches Handwerk am Glauberg praktisch erfahrbar

Mehrere Stunden Hitze, immer wieder Holzkohle und Erz nachfüllen und am Ende die spannende Frage: Hat es funktioniert? Beim Themenwochenende „Eisen“ der Keltenwelt am Glauberg drehte sich am Wochenende alles um einen Werkstoff, der einer ganzen Epoche ihren Namen gab. Im Museumsgarten konnten die Besucherinnen und Besucher nicht nur zuschauen, sondern an zahlreichen Stationen selbst ausprobieren, wie viel Arbeit und Wissen hinter der Verarbeitung von Eisen stecken.

Ein Schwerpunkt lag auf der AG Eisen und ihrem Rennofen. Bevor das Erz dort überhaupt zum Einsatz kommt, muss es vorbereitet werden. Christoph Kiesewetter demonstrierte dies am Röstfeuer. „Das Eisenerz wird erhitzt, sodass es brüchig wird“, erklärte er. Gleichzeitig entweichen unter anderem gebundenes Wasser und Schwefel. Nach mehreren Stunden wird das Erz abgelöscht und zerkleinert. Was heute teilweise eine elektrische Steinbreche übernimmt, musste in der Eisenzeit von Hand erledigt werden. Anschließend wandert das vorbereitete Erz in den Rennofen. Dort experimentierten Karl Rudi und die weiteren Mitglieder der AG mit Roteisenstein und bewusst mit weniger Luftzufuhr als bei früheren Versuchen. „Wir hangeln uns im Grunde genommen von Fehlversuch zu Fehlversuch. Das ist das Prinzip“, brachte Rudi den Charakter der praktischen Versuche auf den Punkt. Zusammen mit Holzkohle und Kalk wird das Erz von oben in den Ofen gefüllt. Über Stunden sinkt das Material nach unten, während im Inneren die notwendigen chemischen Prozesse ablaufen. Angestrebt werden Temperaturen zwischen 1.100 und 1.200 Grad. Zeitweise zeigte das Messgerät am Wochenende sogar 1.370 Grad. Im Idealfall entsteht im Zentrum des Ofens schließlich eine Eisenluppe – ein glühender, zunächst noch poröser Eisenschwamm. „Wenn man ihn abkühlen lässt, sieht er fast wie ein Schwamm oder blasiger Basalt aus“, beschrieb Rudi. Noch heiß wird das Material mit Hämmern verdichtet und kann später vom Schmied weiterverarbeitet werden.

Der Arbeitskreis „Eisen“ demonstrierte im Museumsgarten, wie ein Rennofen funktioniert.

Vom Rennofen in die Schmiede
Wie dieser nächste Schritt aussieht, zeigte David Donatus Rosenberg gemeinsam mit Keltenwelt-am-Glauberg-Praktikantin Julia an der Schmiede. Rosenberg ist professionell im Bereich Metallgestaltung tätig und auf Vorführhandwerk in Museen und Freilichtmuseen spezialisiert. Am Glauberg entstand unter seinen Hammerschlägen u. a. ein Spaltmeißel zur Bearbeitung von heißem Stahl, der künftig in der Keltenwelt am Glauberg bleiben wird. „Geändert hat sich vom ersten Moment bis heute nichts“, erklärte Rosenberg das Grundprinzip des Schmiedens: Das Metall muss erhitzt und anschließend umgeformt werden. Nach dem Schmieden folgen bei dem Meißel noch Schleifen, Härten und Anlassen.

Auch an den übrigen Stationen war Mitmachen ausdrücklich erwünscht. Museumspädagoge Thomas Lessig-Weller ließ insbesondere die jüngeren Gäste das Schleifen einer Klinge ausprobieren. Dabei erklärte er, dass die heute eingesetzten runden Schleifsteine keine Rekonstruktion keltischer Technik sind. Für die Eisenzeit geht man vielmehr von Natur- und Banksteinen unterschiedlicher Körnung aus – im Prinzip Vorläufern heutigen Schleifpapiers.

Bei Petra Lehmann-Stoll wurde es farbig: Hämatit ließ sich mit Steinen zu rotem Pigment zermahlen und mit Pflanzenfett zu einer Art „Fingermalfarbe“ verarbeiten. Damit durfte anschließend ein Lehmofen bemalt werden. Daneben konnten die Gäste selbst beim Ofenbau mithelfen. Kleine Lehmplatten wurden geformt und rund um ein Gerüst aus Haselnusszweigen gesetzt. Flachshäcksel im Lehm hilft dabei, die Struktur zu verbessern und Trockenrisse zu reduzieren. Nicht alle dabei gezeigten Verfahren sind für den Glauberg konkret archäologisch nachgewiesen – gerade das Ausprobieren möglicher Techniken gehört zum archäoexperimentellen Ansatz.

Am Sonntag zeigten weitere Mitglieder des Arbeitskreises Archäotechnik und Experimentelle Archäologie ihr Können: Die Arbeitsgruppe „Keltische Kampfkunst“ demonstrierte, wie die Kampftechniken der Kelten ausgesehen haben könnten und zeigte den beeindruckenden Zuschauern, wie der Zweikampf mit Schild, Schwert und Lanze funktioniert.

Weitere Highlights 2026 geplant
Mit „Eisen“ endete die Reihe der Archäologie-Themenwochenenden für dieses Jahr. Für das kommende Jahr sind bereits neue Themenwochenenden in Planung. Bis dahin geht das Veranstaltungsprogramm weiter: Am 19. September lädt die Keltenwelt am Glauberg gemeinsam mit dem Physikalischen Verein von 19 bis 23 Uhr zur Astronomie-Nacht ein. Am 11. Oktober steht beim Familiensonntag eine Gusswerkstatt auf dem Programm, bei der Pferdchen und Talismane entstehen können. Wer tiefer in die Metallverarbeitung einsteigen möchte, kann am 17. und 18. Oktober an der zweiteiligen Metallwerkstatt „Gussformenbau und Guss in Silber“ teilnehmen. Weitere Workshops, Themenführungen und Veranstaltungen bis hin zum Krimidinner am 14. November sind im Veranstaltungskalender der Keltenwelt am Glauberg zu finden.