Die Apfelweinkönige von Eckartshausen
Apfelwein ist nicht nur in Frankfurt zu Hause

Apfelwein ist nicht nur in Frankfurt zu Hause, sondern auch in Oberhessen. Zahlreiche Streuobstwiesen werden hier gehegt und gepflegt. Im Herbst wird aus den Äpfeln leckerer Saft, der dann zu Apfelwein reift. Der Obst- und Gartenbauverein Eckartshausen kürt sogar einen Apfelweinkönig. Dieser Samstag im Oktober ist nicht gerade ein sonniger Herbsttag. Eher schmuddelig, kalt und feucht treibt das Wetter einen wieder ins Warme.

Den Mitgliedern des Obst- und Gartenbauvereins Eckartshausen scheint das nichts auszumachen. Schon um 8 Uhr hat Mike Oberhoffner mit dem Keltern angefangen.Direkt hinter dem vereinseigenen Blockhaus befindet sich der Platz, an dem die mühevolle Arbeit der Pflege und Hege der vielen Obstbäume sich in einen süßen, duftenden und besonders wohlschmeckenden Saft verwandelt. Roger Hergenröder hilft Mike Oberhoffner bei der Arbeit. Die Äpfel, die in großen Leinensäcken schon zum Keltern bereit stehen, landen erst einmal in einem großen Trog mit Wasser. Jeder Apfel wird kontrolliert, bevor er weiter verarbeitet wirt. Roger Hergenröder nimmt die Äpfel in die Hand, dreht einige prüfend und schmeißt den einen oder anderen in einen extra Korb. Nicht jeder Apfel eignet sich auch als Rohmaterial für einen guten Apfelwein. „Nur die Äpfel, die ich essen würde, die landen auch in meinem Apfelwein!“ Mike Oberhoffner hat ganz klare Qualitätsansprüche an seine Äpfel und seinen Apfelwein.

Wurmige und faule Exemplare kommen ihm nicht in die Kelter. Nur wer auf die Qualität achtet und auf Sorgfalt bei der Weiterverarbeitung, hat Chancen, den berühmten Titel zu ergattern:  Apfelweinkönig von Eckartshausen. Jedes Jahr im April kürt der Obst- und Gartenbauverein seinen Apfelweinkönig oder auch die Apfelweinkönigin. 20 Teilnehmer opfern jedes Jahr einige Liter ihres kostbaren Stöffchens und stellen sich der Jury. Die besteht aus einem Saal voll Apfelweinkennern aus Eckartshausen und ganz Oberhessen. Das Bewertungsverfahren ist aufwändig. Damit es noch am selben Abend ein Ergebnis gibt, wird ein kleines EDV-Zentrum im Bürgerhaus aufgebaut. Ein Aufwand wie bei einer großen Fernsehshow. Der Qualitätsanspruch der Eckartshäuser Obstspezialisten geht weit über den Apfel hinaus. Der Verein ist bestens organisiert. Die Wahl des Apfelweinkönigs ist ein Ereignis, das schon längst über die Grenzen des kleinen Ortes bekannt ist und viele Anhänger gefunden hat.

Nachdem die Äpfel noch mal ein Bad genommen haben, landen sie in der Zerkleinerungsmaschine, die aus dem köstlichen Obst einen matschigen Brei macht. Mit Edelstahlbehältern füllt Mike Oberhoffner die Maische in die Presse. Die Geräte für die Mostherstellung gehören dem Verein, und jedes Vereinsmitglied darf die Apparatur für die Herstellung des eigenen Apfelweins oder Apfelsaftes verwenden. Gekeltert wird immer hinter dem Blockhaus des Vereins. Götz Emmrich, langjähriger Vorsitzender des Vereins, hatte vor vielen Jahren die Idee für die „vereinseigene Kelterei“. Über 37 Familien nutzen die Möglichkeit und verarbeiten ihre eigenen Äpfel zu süßem Most. „Wir pressen im Jahr etwa 12 000 Liter Saft“, berichtet Götz Emmrich nicht ganz ohne Stolz.

Stolz kann er nicht nur auf die Menge des Mostes sein, sondern vor allem auch auf die Aktivitäten innerhalb des Obst- und Gartenbauvereins. Über 200 Mitglieder hat der Verein. Viele junge Leute machen mit und haben nicht nur Spaß daran, den eigenen Apfelwein herzustellen, sondern auch die eigenen Obstbäume zu pflegen.

Denn ohne Obstbäume gibt es nun mal keinen Apfelwein. Die jüngsten Mitglieder sind um die 20 Jahre alt, die ältesten über 80. Der Verein ist ein Treffpunkt der Generationen und der Kelterplatz an den Samstagvormittagen einer der beliebtesten Orte im Dorf. Gegen 12 Uhr füllt sich der Kelterplatz hinter der Blockhütte. Die Nächsten kommen zum Keltern, jeder hilft dem anderen. Es wird diskutiert über die richtige Mischung der Sorten für einen guten Apfelwein und es wird probiert. Der süße Most ist eine Köstlichkeit, die sich leider nur einen Tag im Kühlschrank hält. Danach beginnt der Gärprozess. Wer den Most haltbar machen möchte, der muss ihn kochen oder in einem speziellen Hochdruckbehälter lagern.

Die meisten Äpfel werden aber zu Apfelwein, der je nach Sorte seinen ganz eigenen Geschmack entwickelt. Die Kelter funktioniert mit Wasserdruck. Die Maische wird mit einer Art Gummiballon gegen eine Wand mit dünnen Poren gedrückt. Dieses Verfahren ist schonend und trotzdem ergiebig. Der Saft fließt in die Edelstahlbehälter und Mike Oberhoffner prüft die Qualität des süßen Saftes. Neben seinen Geschmacksnerven vertraut der Kelterprofi auch auf die Technik und misst mit einem Refraktometer den Zuckergehalt seines Mostes.

„Wir machen hier einen sortenreinen Saft. Der hat einen besonders guten Geschmack.“ Oberhoffner schaut wie ein Winzer im Rheingau durch das Refraktometer und ist scheinbar zufrieden. Der Zuckergehalt liegt bei 48 Prozent. Beste Voraussetzungen für einen guten Gärprozess und reichlich Alkoholgehalt im Apfelwein. Ob Mike Oberhoffner diesmal den Titel des Apfelweinkönigs von Eckartshausen holen wird, entscheidet sich erst im April 2011. In einigen Monaten wird er sich für die Mühe seiner Arbeit schonmal selbst belohnen und einen kräftigen Schoppen von seinem Selbstgemachten trinken.

Kontakt

Obst- und Gartenbauverein Eckartshausen:
www.ogv-eckartshausen.de
1. Vors.:  Götz Emmrich, Tel.: 06048-3901
E-Mail: goetzemmrich@t-online.de